Die Geschichte vom Spielmann

Psalm 47, Vers 7: Singt und spielt zu Gottes Ehre! Singt und spielt zur Ehre unseres Königs!

Es war einmal ein Spielmann, der tanzend und springend von Ort zu Ort zog, bis er des unsteten Lebens müde war. Da gab er alle seine Habe hin und trat in ein Kloster ein. Aber weil er sein Leben bis dahin mit Springen, Tanzen und Radschlagen zugebracht hatte, war ihm das Leben der Mönche fremd, und er wusste weder ein Gebet zu sprechen noch einen Psalter zu singen. So ging er stumm umher, und wenn er sah, wie jedermann des Gebetes kundig schien, aus frommen Büchern las und mit im Chor die Messe sang, stand er beschämt dabei: Ach, er allein, er konnte nichts. "Was tu ich hier?", sprach er zu sich, "ich kann nicht beten und finde nicht die richtigen Worte. Ich bin der Kutte nicht wert, in die man mich kleidete."

In seiner Trauer flüchtete er eines Tages, als die Glocke zum Chorgebet rief, in eine abgelegene Kapelle. "Wenn ich schon nicht mitbeten kann im Konvent der Mönche", sagte er zu sich, "so will ich doch tun, was ich kann." Rasch streifte er das Mönchsgewand ab und stand da in seinem bunten Anzug, in dem er als Spielmann umhergezogen war. Und während vom hohen Chor die Psalmgesänge herüberwehen, beginnt er mit Leib und Seele zu tanzen, vor und rückwärts, links herum und rechts herum. Mal geht er auf seinen Händen durch die Kapelle, mal überschlägt er sich in der Luft und springt die kühnsten Tänze, um Gott zu loben. Wie lange auch das Chorgebet der Mönche dauert, er tanzt ununterbrochen, bis es ihm den Atem verschlägt und die Glieder ihren Dienst versagen. 

Ein Mönch war ihm aber gefolgt und hatte durch ein Fenster seine Tanzsprünge mitangesehen und heimlich den Abt geholt. 

Am anderen Tag ließ dieser den Spielmann zu sich rufen. Der Arme erschrak zutiefst und glaubte, er solle wegen des verpassten Gebetes bestraft werden. Also fiel er vor dem Abt nieder und sprach: "Ich weiß, Herr, dass ich hier nicht hingehöre. So will ich aus freien Stücken ausziehen und das Leben auf der  Straße wieder ertragen." Doch der Abt verneigte sich vor ihm, küsste ihn und bat ihn, für ihn und alle Mönche bei Gott einzustehen: "In deinem Tanze hast du Gott mit Leib und Seele geehrt. Uns aber möge er alle Worte verzeihen, die über die Lippen kommen, ohne dass unser Herz sie sendet."